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Ein Verkehrsraum für alle

System Straßenverkehr

Der Straßenverkehr ist ein komplexes System, das einem Uhrwerk gleicht. Jede Person, die am Straßenverkehr teilnimmt, steht für ein Zahnrad im Getriebe. Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist ein partnerschaftliches und faires Verhalten. Den Mittelpunkt des Systems Straßenverkehr bilden die Verkehrsteilnehmer, die handeln und reagieren, während sie gleichzeitig eine Fülle von Einflüssen und Informationen verarbeiten müssen.

Wie wir eine Verkehrslage einschätzen, hängt davon ab, mit welchem Verkehrsmittel wir unterwegs sind: Eine unübersichtliche Situation an einer Straßenkreuzung wirkt auf eine Mutter mit Kinderwagen völlig anders als auf den Fahrradkurier, der sich auf zwei Rädern schnell und wendig fühlt. Von sicherer Warte erlebt der Fahrer eines breiten Geländewagens die Lage. Auch Art und Ausbau der Verkehrswege sowie das Wetter beeinflussen unser Verhalten: Eine breite, mehrspurige Straße verleitet zu einer höheren Geschwindigkeit als eine schmale Einbahnstraße, an deren Rand Autos parken. Bei Nebel und regennasser Fahrbahn fahren wir vorsichtiger als sonst. Darüber hinaus lenken Verkehrsregeln, Ampeln und Hinweisschilder die Fahrer und Fußgänger durch den Stadtverkehr und helfen, Ordnung in andernfalls schwierige Situationen zu bringen.

Dabei gestaltet jeder Verkehrsteilnehmer das System durch sein Verhalten aktiv mit. Er kann durch Entscheidungen beeinflussen, wie sich Verkehrssituationen entwickeln: Rücksichtsloses und egoistisches Fahrverhalten und Regelverstöße erhöhen die Unübersichtlichkeit und den Stress aller Beteiligten. Wer sich hingegen verantwortlich und gelassen zeigt und beispielsweise an einer Baustelle andere Verkehrsteilnehmer in Ruhe einfädeln lässt, trägt dazu bei, dass alle Betroffenen schneller durch das Nadelöhr gelangen. Idealerweise verbindet alle Akteure das gleiche Ziel: die Strecke möglichst bald, sicher und souverän hinter sich zu bringen. Um einen reibungslosen Verkehrsfluss zu ermöglichen, hilft es daher, eigene Absichten klar und deutlich anzuzeigen. Durch Blinken, Augenkontakt oder Handzeichen tragen wir zum sicheren Umgang miteinander im System Straßenverkehr bei.

Unterschiedliche Verkehrsteilnehmer, unterschiedliche Bedürfnisse


 

Der urbane Verkehrsraum ist oft eng und von den Personen, die sich mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln fortbewegen, hart umkämpft. Verkehrsplanung stammt in vielen Fällen aus Zeiten, in denen der motorisierte Verkehr überwog. Platz für die besonderen Bedürfnisse von Radfahrern und Passagieren öffentlicher Verkehrsmittel wurde nicht immer frühzeitig einkalkuliert. Er muss vielerorts erst bewusst geschaffen werden. Raum für die unterschiedlichen Bedürfnisse gilt es zuallererst in unseren Köpfen zu schaffen.

Neben Platzmangel sind Selbstüberschätzung und mangelnde Sensibilität weitere Problemquellen im Straßenverkehr. Um Zeit zu sparen, treten ungehaltene Verkehrsteilnehmer häufig rücksichtslos auf. Dichtes Auffahren bringt den Vordermann allerdings nicht schneller vorwärts. Es kann puren Stress für ihn selbst und damit erhöhte Unfallgefahr auch für andere bedeuten.

Auch der Beifahrer, der „nur schnell aussteigt“, gefährdet durch übereiltes Handeln sich und andere. Gedankenverloren reißt er die Autotür auf, ohne auf Passanten oder Radfahrer zu achten. Fährt ein Radfahrer gegen eine solche vor ihm aufgerissene Tür, kann diese Unachtsamkeit des Beifahrers für ihn – selbst mit Helm – im schlimmsten Fall mit einem Genickbruch enden.

Ein anderes Beispiel für unbedachtes und gefährliches Verhalten: Ein Passant überquert auf dem Weg zum Bus hastig und mit Kopfhörern im Ohr die Straße. Dabei ist die Erwartungshaltung der Fußgänger an die Autofahrer häufig hoch und kann allzu oft nicht erfüllt werden: Es kommt zum Unfall.

Als Verkehrsteilnehmer tragen wir jedoch nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern auch für andere. Besondere Vorsicht gebührt schwächeren Verkehrsteilnehmern. 26 % aller Verkehrstoten und 28 % der Verunglückten im Jahr 2012 waren Fußgänger und Fahrradfahrer.

Besonders kritisch sind Knotenpunkte, an denen viele Verkehrsmittel aufeinandertreffen. Ein Beispiel hierfür sind stark befahrene Kreuzungen, an denen zusätzlich Straßenbahn- und Bushaltestellen liegen. Fußgänger eilen von Bahn zu Bus und versuchen, das Gedränge auf dem Gehsteig zu umgehen, indem sie auf die Straße ausweichen. Damit behindern sie Radfahrer oder gar den heranfahrenden Bus. Busse und Pkw beanspruchen die Straße für sich und vergessen dabei, ausreichend Platz für Radfahrer zu lassen, die – zur Verwunderung und häufigem Ärgernis der Motorisierten – die Straße benutzen dürfen.

Grundsätzlich müssen Radfahrer ab 10 Jahren auf der Straße fahren. Nur wenn es seitlich neben der Fahrspur für den Kraftverkehr einen Radweg gibt und dieser auch ausgeschildert ist, besteht für ihn Benutzungspflicht. Auf die Fahrbahn dürfen Radfahrer dann nur in Ausnahmefällen ausweichen, etwa wenn sich Hindernisse auf dem Radweg befinden.

Rücksicht und Vorsicht sind auch bei Radfahrstreifen und Schutzstreifen gefordert. Sie verlaufen auf der Straße und sind durch entsprechende Markierungen abgegrenzt. Der Radfahrstreifen ist durch eine dicke, durchgezogene Linie auf der Straße gekennzeichnet, zusätzlich ist das Fahrradsymbol als Bodenmarkierung angebracht. Dieser Bereich ist allein Radfahrern vorbehalten und darf von Kraftfahrzeugen nicht befahren werden. Umsichtige Autofahrer halten beim Passieren von Radfahrstreifen einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein. Der Schutzstreifen, auf der Fahrbahn durch eine unterbrochene Linie markiert, darf hingegen von Kraftfahrzeugen mitgenutzt werden, sofern kein Radfahrer dabei gefährdet wird. Das Parken auf dem Schutzstreifen ist verboten, das Halten ist erlaubt – rücksichtsvoller ist jedoch, auch darauf zu verzichten.

Außerdem eilen an Schnittpunkten zwischen Auto- und öffentlichem Nahverkehr häufig Passanten trotz „Rot“ über die Straße, um noch schnell Bahn oder Bus zu erwischen. Ähnlich gefahrenträchtige Bereiche sind Haltestellen des ÖPNV in Schulnähe sowie Wege zu Straßenbahnhaltestellen auf Mittelinseln.

Formelle und informelle Regeln

Im Straßenverkehr gilt nicht das Recht des Stärkeren oder des Schnelleren, sondern die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Verkehrsregeln schaffen Ordnung. Sie machen komplexe Situationen übersichtlich. Das Handeln der anderen wird vorhersehbar, vorausgesetzt, sie halten sich an die Regeln. Vor allem ermöglichen sie Verkehrsteilnehmern, unabhängig von der Größe oder Geschwindigkeit des Verkehrsmittels, die Verkehrswege zu nutzen. So müssen wir nicht an jeder Kreuzung neu überlegen oder verhandeln, wer zuerst fahren darf. Da die StVO Rechte und Pflichten aller Verkehrsteilnehmer formuliert, kommt jeder zum Zug. Denn wenn man sich seinen Weg erst erobern und sich vordrängeln müsste, würde das Unfallrisiko deutlich steigen. Die Grundregeln der  Straßenverkehrs-Ordnung sind ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Alle Verkehrsteilnehmer sind verpflichtet, sich und andere nicht zu gefährden, zu schädigen oder zu belästigen.

Regeln, die im Alltag nicht ständig angewendet werden, können jedoch in Vergessenheit geraten. Das zeigt auch eine forsa-Umfrage im Auftrag der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG aus dem Jahr 2010. Obgleich drei Viertel der Befragten sich sehr gute Kenntnisse der Verkehrsregeln zuschrieben, bewerteten die Befragten im Anschluss jede dritte abgefragte Verkehrssituation falsch. Einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge würde jeder dritte Autofahrer nach eigener Einschätzung eine erneute Führerscheinprüfung nicht bestehen. Die Befragung zeigte außerdem, dass viele Autofahrer mit zunehmender Fahrpraxis nachlässiger werden. So führten 42 % der Befragten den Schulterblick nicht mehr korrekt aus. Im Jahr 2012 wurden 4,7 Millionen Verkehrsverstöße registriert, wobei bei Rotlichtverstößen und Unterschreiten des Sicherheitsabstandes ein zunehmender Trend erkennbar ist.

Neben formellen (gesetzlichen) haben sich im Verkehr auch informelle Regeln eingebürgert. Diese stehen zwar nirgendwo geschrieben, doch entstammen sie unserem gelebten Alltag und werden von vielen Verkehrsteilnehmern beachtet. Beispielsweise machen viele Autofahrer von Handzeichen Gebrauch, um Fußgängern oder Radfahrern zu signalisieren, dass diese gesehen wurden und sie den Vorrang erhalten. Auch winken sich häufig die Fahrer von Fahrzeugen mit Handbewegungen gegenseitig durch, wenn die Situation es zulässt.

Verengen Hindernisse die Straße, müssen Fahrer der blockierten Fahrspur unter Umständen Geduld aufbringen. Laut Straßenverkehrs-Ordnung darf man um ein Hindernis erst dann auf der entgegengesetzten Fahrspur herumfahren, wenn kein Gegenverkehr herrscht. Wohlwollende Fahrer der freien Spur treten manchmal von ihrem Vortrittsrecht zurück. Sie halten rechtzeitig an und lassen den entgegenkommenden Fahrer passieren.

Ebenso gehört es zum guten Ton, sich per Handzeichen zu bedanken, wenn man Vorfahrt erhalten hat. Denn wer für seinen rücksichtsvollen Fahrstil Dank erhält, wird sich beim nächsten Nadelöhr eher wieder rücksichtsvoll und zuvorkommend verhalten.


Verstehen und mitgestalten

Die Rolle des Einzelnen

Regeln und besonders Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von einigen als Einschränkung gesehen. Zwar begrüßen es viele, dass das Verhalten der anderen reguliert wird. Doch die meisten werden selbst nur ungern ausgebremst. Dies gilt ganz besonders für Verkehrsregeln, die vermeintlich die Freiheit des Einzelnen begrenzen. Dieses im Straßenverkehr deplatzierte Freiheitsstreben wird dadurch gefördert, dass der Alltag von vielen als einschränkend genug empfunden wird. Mobilität wird erwartet, tägliches Pendeln ist jedoch nervenaufreibend. Gleichzeitig ist eine Gesellschaft, in der „Zeit Geld ist“, vom ständigen Streben nach Effektivität und Zeitersparnis getrieben.

Zwar erhält das Automobil als Ausdruck von Freiheit und Ungebundenheit durch wachsende Mobilitätsangebote zunehmend Konkurrenz. Einer aktuellen Umfrage der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen zufolge steht das Auto jedoch für 87 % der Deutschen weiterhin für Unabhängigkeit und für 50 % sogar für Freiheit. Diese Assoziationen werden zum Teil auch mit anderen Verkehrsmitteln wie dem Fahrrad verbunden. Nicht zuletzt die Staus in Hauptverkehrszeiten, die man auf dem Rad gelassen passieren kann, tragen dazu bei.

Mit wachsendem Verkehrsaufkommen und zunehmender Hektik im Alltag ist zu beobachten, dass sich das Unrechtsbewusstsein bei vermeintlich „kleinen“ Regelverstößen zu verringern scheint.

Wieso als Fußgänger an der Ampel stehenbleiben, wenn die Straße frei ist? – Weil man eben doch ein Fahrzeug übersehen könnte, ein schlechtes Vorbild abgibt und weil man das geübte Verhalten auf andere Situationen überträgt. Eindrücklich zeigt dies die vom Kraftfahrt-Bundesamt dokumentierte langfristige Zunahme von Rotlichtverstößen. Ein Rotlichtverstoß zu Fuß mag einem in der subjektiven Empfindung weniger „schlimm“ vorkommen. Ein derartiger Trugschluss kann jedoch schwerwiegende Folgen haben und gefährdet im schlimmsten Fall Verkehrsteilnehmer, die „Grün“ haben und abrupt scharf bremsen müssen – wenn es dafür nicht schon zu spät ist.

Dies verdeutlicht: Regeln müssen für alle gelten. Was ist schon Freiheit wert, wenn man diese mit gesundheitlichen Schäden oder gar mit seinem oder anderer Leben bezahlt?

Emotionen im Straßenverkehr

Wer kennt diese Situation nicht? Ein stressiger Arbeitstag nähert sich dem Ende. Diskussionen mit den Arbeitskollegen oder dem Vorgesetzten brachten jedoch nicht das gewünschte Ergebnis. Da reizen Drängler oder gemütliche Fahrer auf dem Heimweg zur Weißglut. „Wenn ich mich schon nicht auf der Arbeit durchsetzen konnte, dann wenigstens im Verkehr!“ – Oder?

Gründe für rücksichtsloses Fahrverhalten sind häufig Stress und Zeitdruck oder auch Imponier-/„Statusgehabe“. Manch einer wird verleitet, sich im Auto abzureagieren und aufbrausend auf die „Einschränkung“ seiner Fahrfreiheit zu reagieren. Unbeherrschte Fahrer unterstellen anderen Verkehrsteilnehmern oft auch Unfähigkeit oder absichtliches Fehlverhalten. Die eigene Gemütslage dient als Drehbuch für den „Film“, der dann im Kopf abläuft.

Auch Ausgelassenheit, Vorfreude und Erleichterung können die Gedanken in Anspruch nehmen. Emotionen werden als Unfallursache bisher statistisch nicht erfasst. Verkehrspsychologen gehen jedoch davon aus, dass Wut, Ärger oder Freude dazu führen, dass der Fahrer gedanklich nicht „bei der Sache ist“. Besonders die beiden häufigsten Unfallursachen, zu geringer Sicherheitsabstand und überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit, werden mit Emotionen in Verbindung gebracht.

Eine österreichische Untersuchung, in der 800 Unfälle vertieft untersucht wurden, ergab, dass 42 % der Unfälle durch besondere psychische Zustände mitverursacht wurden.

Wer aufgewühlt ist, kann vor Fahrtantritt versuchen, bewusst Luft zu holen und die Belastung abzuschütteln. Auch mit freudigen oder erleichternden Nachrichten vor einer Rad- bzw. Autofahrt sollte man bewusst umgehen bzw. überlegen, ob man in der Lage ist, die Fahrt anzutreten. Intensive oder belastende Gespräche und Streit am Telefon oder mit dem Beifahrer bedeuten ein erhöhtes Ablenkungs- und Unfallrisiko.

3-A-Methode

Für ein partnerschaftliches Miteinander ist es wesentlich, dass man sich in die anderen Verkehrsteilnehmer hineinversetzt. Mit der sogenannten 3-A-Methode lassen sich Partner im Straßenverkehr beurteilen und deren Verhalten abschätzen. Alter, Aufmerksamkeit und Absicht bestimmen maßgeblich das Verhalten im Straßenverkehr.

Alter: Kinder erfordern besondere Rücksicht, da sie sich leichter ablenken lassen, Gefahrensituationen nicht überblicken können und möglicherweise impulsiv handeln. Ältere Menschen können an körperlichen Einschränkungen leiden oder ein eingeschränktes Reaktionsvermögen haben. Deshalb können sie eventuell langsamer als jüngere Verkehrsteilnehmer sein.

Aufmerksamkeit: Im zweiten Schritt sollte jeder überprüfen, ob sein Gegenüber aufmerksam ist. Trägt er Kopfhörer? Ist er im Gespräch mit Beifahrer oder Begleitung? Nehmen Sie Blickkontakt auf! Nur so können wir feststellen, ob der andere uns registriert hat.

Absicht: Deutlich schwieriger ist es, die Absicht der anderen Verkehrsteilnehmer richtig einzuschätzen. Im Idealfall teilt uns die andere Person ihre Absicht durch entsprechendes Verhalten oder Signale mit. Wenn sie dies nicht tut, müssen wir anhand von Erfahrungswissen intuitiv erahnen, was er oder sie vorhat. Umgekehrt sollten wir deshalb unsere eigenen Absichten klar vermitteln. Dies können wir durch eine entsprechende Körperhaltung oder Handzeichen tun. Ein Beispiel für eine deutliche Verständigung ist das frühzeitige Absenken der Geschwindigkeit eines Fahrzeugs, wenn wir einen Fußgänger mit klarer Überquerungsabsicht am „Zebrastreifen“ sehen. Wir signalisieren ihm damit: Ich habe dich gesehen und halte an.

Verständigung miteinander

Der große Bedarf nach Verständigung zwischen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern trifft im Straßenverkehr auf erschwerte Bedingungen. Im abgeschlossenen Raum der Fahrzeugkabinen kann man sich nicht durch Zurufe verständigen. Entsprechend muss der Austausch durch sichtbare Zeichen erfolgen, also Blinker, Bremsleuchten, Handzeichen und Fahrverhalten. Wichtig ist auch, Blickkontakt aufzunehmen. Doch selbst dann kann der Radfahrer nicht vollkommen sicher sein, dass der abbiegende Autofahrer ihn auch gesehen hat – und nicht ein Objekt hinter ihm fixiert. Erfolgt kein eindeutiges Signal, ist es im Zweifel sicherer abzuwarten.

Verständigung kann nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass man gesehen wurde. Es ist sicherer, einen Moment innezuhalten und zu überprüfen, ob dies der Fall ist. Eindeutige Signale beugen Missverständnissen vor. Beim Abbiegen und Spurwechsel mit Pkw, Lkw oder Motorrad ist immer ein Blinker zu setzen, Radfahrer müssen Handzeichen geben. Es ist rücksichtsvoller, erst eine Straße später abzubiegen, als im letzten Moment das Lenkrad herumzureißen, weil man realisiert, dass man beinahe eine Abbiegung verpasst hat.

Wer eine Absicht anzeigt, sollte entsprechend verbindlich handeln. So erleichtert man anderen die Orientierung und ein vorausschauendes Handeln. Auch informelle Signale, die sich im Alltag bewährt haben, können zum Einsatz kommen. Ein Beispiel für das Handzeichen: Wir kommen als Fußgänger an eine Ampelkreuzung, unsere Ampel zeigt „Grün“. Ein abbiegender Lkw-Fahrer hat uns gesehen und will anhalten, um uns passieren zu lassen. Um ihm zu zeigen, dass wir stehenbleiben und er fahren darf, „winken“ wir ihn durch, wenn kein anderer Verkehrsteilnehmer dadurch gefährdet wird.

Warnzeichen wie Hupe oder Lichthupe sollen nur bei Gefahr benutzt werden. Ansonsten ist das Risiko groß, dass Zeichen falsch verstanden werden. Ein Beispiel: Ein Fahrer nähert sich einer Ampelkreuzung. Kurz vor Erreichen der Kreuzung betätigt er die Lichthupe. Für Linksabbieger im Gegenverkehr kann dies zwei komplett unterschiedliche Dinge bedeuten: „Achtung, meine Vorfahrt achten!“ oder „Du kannst abbiegen, meine Ampel springt gleich auf ‚Rot’“. Auch der Einsatz akustischer Signale kann zu Missverständnissen führen. Im Übrigen sind das (grundlose) Hupen in geschlossenen Ortschaften oder die Verwendung der Lichthupe, etwa zur Warnung vor einer Polizeikontrolle, nicht erlaubt und strafbar.

Verkehrstüchtigkeit

Wenn wir am Straßenverkehr aktiv teilnehmen, sind wir verpflichtet, andere nicht zu schädigen oder zu gefährden. Entspricht unser Fahrzeug den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards? Beherrschen wir das Fahrzeug und können wir es sicher bedienen?

Fairness in diesem Zusammenhang heißt auch abzuschätzen, wie verkehrstüchtig wir selbst sind, und die richtige Entscheidung bei der Wahl des Verkehrsmittels zu treffen. Gesundheitlich angeschlagen, übermüdet, durch einen Streit belastet oder durch eine gute Nachricht euphorisiert, kann man schon mit dem Stop-and-go-Verkehr auf dem Weg zur Arbeit überfordert sein. Dies gilt natürlich auch bei der Einnahme starker Medikamente.

Wer am Abend zuvor „feuchtfröhlich“ feiern war, vermeidet das Fahren mit Restalkohol und fährt entspannter mit Bus, Bahn oder Taxi. Auch bei Strecken zu Fuß ist stets Konzentration angesagt. Fit und ausgeschlafen zu sein, trägt auch zur Fairness und Sicherheit im Straßenverkehr bei. Bereits ein kurzes Einnicken am Steuer kann fatale Folgen haben. Für uns, aber auch für andere, die bei einem Unfall schwer verletzt oder gar getötet werden können.

Ein kritischer Blick ist besonders im Alter angebracht: Ein Hausarzt sollte in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob z. B. Seh-, Hör- und Reaktionsfähigkeiten noch ausgeprägt genug sind, um den Verkehr sicher zu bewältigen.

Verantwortung und Verkehrsklima

Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt – im Straßenverkehr gelten keine Status-Hierarchien.

Der Fahrer eines schnellen Sportwagens hat aufgrund der Pferdestärken nicht mehr Rechte auf der Straße. Dort, wo andere Verkehrsteilnehmer Regeln brechen, sinkt die eigene Hemmschwelle, dies auch zu tun. Dort, wo Kinder uns sehen könnten, ist unsere Verantwortung, das Nachahmen von Regelverstößen zu verhindern, besonders groß. Doch auch in allen anderen Situationen leben Regeln und damit die Sicherheit im Straßenverkehr davon, dass alle sie befolgen.

Typische Situationen und Gefahren entstehen in Zeitnot und Eile: Der Bus steht auf der anderen Straßenseite, doch es ist „Rot“. Mit einem kurzen Sprint quer über die Straße bringen wir nicht nur uns selbst in Gefahr. Wir riskieren auch die Gefährdung von Personen, die davon ausgehen, Vorfahrt zu haben.

Ein weiteres Beispiel: Im zähfließenden Stadtverkehr können Autofahrer die eigene Geschwindigkeit unterschätzen und zu dicht auffahren. Wenn der Hintermann immer näher rückt, verleitet dies dazu, den Abstand zum voranfahrenden Wagen ebenfalls zu verringern. Umgekehrt motiviert uns der ausreichende Abstand im Rückspiegel dazu, genügend Distanz nach vorne zu halten.



Fehlverhalten anderer

Gedankenlosigkeit, Zeitnot und Stress können dazu führen, dass Verkehrsteilnehmer bewusst Regeln übertreten. Um z. B. pünktlich anzukommen, nimmt ein abbiegender Autofahrer dem geradeaus fahrenden Radfahrer den Vorrang. „Blinkmuffel“ gehen beim Einscheren stillschweigend davon aus, dass ihr Hintermann schon rechtzeitig bremsen wird.

Die meisten Fehler sind jedoch keinesfalls mutwillig. Irren ist menschlich. Fehler geschehen wegen falscher Einschätzungen, Unaufmerksamkeit oder Unsicherheit. Manche überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten oder die technischen Möglichkeiten des eigenen Fahrzeugs. Autofahrer können die Geschwindigkeit anderer unterschätzen, beispielsweise beim Rechtsabbiegen die des Fahrradfahrers, den man gerade überholt hat.

Im oftmals unübersichtlichen Stadtverkehr fühlen sich Fahranfänger und Ungeübte schnell überfordert. Ihnen fehlt Fahrpraxis, sie sind mit der Strecke nicht vertraut. Da fällt vorausschauendes Fahren noch schwer. Aus Unsicherheit wird ruckartig gebremst – ein Schreck für den Hintermann. Ein Pkw-Fahrer, der sich vorne in die längere  Linksabbiegerspur einreihen will, mag dies aus mangelnder Ortskenntnis tun. Da Fehler auch unabsichtlich geschehen, schaffen Toleranz und Verständnis im Zweifelsfall das angenehmere Verkehrsklima. Auch wir haben mal einen schlechten Tag.

Perspektivwechsel

Fragt man zehn Gäste einer Feier nach dem Verlauf des Abends, wird man zehn unterschiedliche  Geschichten hören. Waren wirklich alle auf derselben Party? Ähnlich ist es bei der Befragung von Unfallzeugen. Die Schilderung hängt stark von eigenen Perspektiven, der momentanen Verfassung und damit verbundenen  Empfindungen der Augenzeugen ab. Auch die meisten Verkehrsteilnehmer verharren in ihrer persönlichen Perspektive, ohne sich Gedanken über die Wahrnehmung der anderen zu machen.

Die aufdringliche oder aggressiv empfundene Fahrweise eines anderen kann unterschiedliche Ursachen haben. Möglicherweise ist sein Verhalten mit unserem eigenen Handeln verbunden. Vielleicht haben wir den anderen infolge von Ablenkung oder Unaufmerksamkeit geschnitten oder durch abruptes Bremsen erschreckt?

Wer das Fahrrad benutzt oder zu Fuß geht, wird sich vielleicht über das rücksichtslose Verhalten von Pkw-Fahrern wundern, obwohl er sich als Autofahrer ähnlich verhält. Umgekehrt wird einem Rad- oder Mofafahrer erst als (Mit-) Fahrer im Pkw klar, wie ärgerlich und riskant es ist, wenn Zweiradfahrer sich über Regeln bewusst hinwegsetzen. Ein solcher Regelverstoß ist zum Beispiel das Fahren ohne Licht bei Dunkelheit.

Sich in die Perspektive der anderen zu versetzen, kann die Fehler im eigenen Fahrverhalten verdeutlichen.

Blinkmuffel überraschen mit einem Spurwechsel ohne Lichtsignal die nachfahrenden Verkehrsteilnehmer und können so schnell einen Unfall verursachen. Die Perspektive zu wechseln, bedeutet auch, Verständnis zu zeigen. Denn trifft aggressives Fahrverhalten auf Uneinsichtigkeit, kann die Situation schnell eskalieren.

Gerade im Stadtverkehr sind Verkehrssituationen oft unübersichtlich. Der Vorausfahrende, der den Blinker in letzter Sekunde setzt, mag nicht ortskundig sein, schlecht geschlafen haben oder schlicht die Übersicht verloren haben.

„Schwächere“ Verkehrsteilnehmer

Eltern, Verwandte, Erziehungsberechtigte und Lehrer sind verantwortlich für die Sicherheit der ihnen anvertrauten Kinder. Im Rahmen von Verkehrssicherheitstagen und Aufklärungsaktionen an Kindergärten und Schulen werden sie für die speziellen Bedürfnisse von Kindern im Straßenverkehr zusätzlich sensibilisiert.

Doch die meisten Erwachsenen überschätzen die eingeschränkten Fähigkeiten von Kindern im Straßenverkehr. Im Jahr 2012 sind laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 1.766 Kinder zu Fuß und mit dem Fahrrad auf deutschen Straßen verunglückt. Vorschul- und Schulkinder haben aufgrund ihrer geringen Körpergröße häufig keinen Überblick und sie haben zudem ein eingeschränktes Sichtfeld. Sie können nicht mehrere Dinge und Bewegungsabläufe gleichzeitig erfassen. Auch fehlt ihnen das Bewusstsein, dass sie übersehen werden. Ihre motorischen Fähigkeiten sind noch unvollständig ausgebildet und das richtige Abschätzen von Geschwindigkeiten gelingt Jugendlichen erst sehr spät bzw. als junge Erwachsene.

Kinder sind auf dem Schulweg zudem meist in kleineren Gruppen unterwegs. Abgelenkt durch die Mitschüler, vergessen sie beim Überqueren von Straßen, auf abbiegende Fahrzeuge oder ein herannahendes Mofa zu achten. Fairness im Umkreis von Schulen bedeutet deshalb, die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren und besonders beim Passieren geparkter Autos bremsbereit zu sein. Haltestellen für Schul- und Linienbusse sind besonders kritische Stellen. Um den Bus und den Anschluss an Mitschüler nicht zu verpassen, überqueren Kinder manchmal eine Straße, ohne den Blick nach links und rechts zu wenden.

Hinter einem Schulbus mit eingeschalteter Warnblinkanlage anzuhalten, anstatt mit höchstens  Schrittgeschwindigkeit an ihm vorbeizufahren, ist nicht nur fair, sondern hilft, Gefahren zu vermeiden.

Die weitaus größte Zahl verunglückter Kinder, rund 60 %, kam jedoch als Mitfahrer im Pkw zu Schaden. Vor jeder Fahrt sollten wir deshalb stets überprüfen, ob Kinder alters- bzw. größengerecht gesichert und angeschnallt sind. Bei ausnahmslos jeder Fahrt ist für wirkungsvollen Schutz aller mitgenommenen Kinder zu sorgen.

Entgegen landläufiger Meinung sind ältere Verkehrsteilnehmer nicht überdurchschnittlich oft an Unfällen beteiligt. Ältere Menschen können jedoch manchmal weniger fit sein, als sie sich selbst fühlen. Zwar neigen sie zu einem sicherheitsorientierten Verkehrsverhalten, doch vor allem komplexe Verkehrssituationen können Senioren überfordern. Aufgrund von eingeschränktem Seh- und Hörvermögen oder einer verzögerten Reaktion besteht die Möglichkeit, dass sie eine unübersichtliche Situation nicht vollständig oder nur langsam erfassen. Darüber hinaus sind Verletzungsrisiko und -schwere in dieser Altersgruppe deutlich höher, falls es zu einem Unfall kommt. Die Anwendung der 3-A-Methode ist hier besonders hilfreich.

Praktische Handlungshilfen

Aufmerksam sein und bleiben

Als Teilnehmer am Verkehrssystem gestalten wir dieses aktiv mit, egal ob als Lkw-, Pkw-, Auto-, Motorrad-, Fahrradfahrer oder Fußgänger. Zu Fairness im Straßenverkehr gehört zunächst auch, sich einen Überblick über Situation und Beteiligte zu verschaffen und diesen zu behalten. Stadtverkehr ist oft unübersichtlich und komplex und verlangt von uns starke Konzentration. Dabei spielen sowohl eigene Bedürfnisse und Perspektiven als auch Sichtweisen und Absichten der anderen eine wichtige Rolle. Nur mit einem guten Überblick können wir rücksichtsvoll agieren und deutlich und nachvollziehbar unsere Entscheidungen anzeigen.

Verkehrsregeln gelten für alle, für Kraftfahrer ebenso wie für Fußgänger und Fahrradfahrer. Autofahrer sind zwar zu Vorsicht und Rücksicht angehalten. Doch das entbindet die anderen Verkehrsteilnehmer nicht von ihrer Verantwortung. Gerade deshalb sollten „schwächere“ Verkehrsteilnehmer zu ihrem eigenen Schutz beitragen.

Als Fußgänger gelangt man auch bei zäh fließendem Verkehr sicherer auf die andere Straßenseite, wenn man den Weg bis zur nächsten Ampel oder zum „Zebrastreifen“ in Kauf nimmt. Der „Hindernislauf“ zwischen langsam fahrenden Autos wäre dagegen die gefährlichere Entscheidung.

Radwege sind dem Fahrradverkehr vorbehalten – Fußgänger würden die Radfahrer dort behindern und Unfälle riskieren. Auch wenn Bus oder Straßenbahn auf der anderen Straßenseite noch zur Abfahrt bereitstehen, läuft man beim eiligen Überqueren der Straße in der Hektik Gefahr, ein herannahendes Fahrzeug zu übersehen. Was sind schon wenige Sekunden oder Minuten vermeintlichen Zeitverlustes im Vergleich zu den schlimmen Folgen eines Unfalls?

Als Pkw- oder Motorradfahrer ist besonders zu beachten, dass einem auf der Straße nicht nur andere Autos begegnen: Radfahrer benutzen die Straße, sofern kein benutzungspflichtiger Radweg ausgewiesen ist. Vergewissern Sie sich daher immer durch einen Schulterblick, dass Sie beim Abbiegen niemandem die Vorfahrt nehmen. Die Geschwindigkeit von Radfahrern ist dabei nicht zu unterschätzen und die schlechte Einsicht durch einen eingeschränkten Blickwinkel kann man zum Teil ausgleichen, indem man zweimal hinschaut.

Umgekehrt müssen Radfahrer damit rechnen, dass man sie nicht sieht – das gilt insbesondere für Situationen, in denen sie sich im „toten Winkel“ eines Lkw befinden, wo sie nicht gesehen werden können.

Vorbildlich verhalten

Menschen ahmen ihre Artgenossen nach. Schon der römische Philosoph Seneca wusste: „Die Menschen glauben den Augen mehr als den Ohren. Lehren sind ein langweiliger Weg, Vorbilder ein kurzer, der schnell zum Ziel führt.“ Durch ein partnerschaftliches und vorbildliches Verhalten können wir gezielt positiven Einfluss auf die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen.

Beispiel: Ein Autofahrer fährt auf einen „Zebrastreifen“ zu. Laut Straßenverkehrs-Ordnung muss er sein Tempo verlangsamen und Fußgängern das Überqueren ermöglichen. Er ignoriert jedoch diese Regel und fährt weiter. Passanten, die die Straße betreten wollen, werden ignoriert. Die nachfolgenden Fahrer tun es ihm dann häufig gleich. Das Risiko, andere zu gefährlichem Verhalten zu verleiten, ist im Straßenverkehr besonders groß.

Es besteht jedoch auch die Chance, mit gutem Beispiel voranzugehen: Bereits aus der Distanz ist zu sehen, dass vorausfahrende Autos nacheinander einen Fahrradfahrer überholen. Sie setzen frühzeitig den Blinker und fahren in einem ausreichend großen Sicherheitsabstand am Radfahrer vorbei. Die nachfolgenden Fahrer kopieren in der Regel dieses Verhalten.

Auch sozialer Druck kann auf das Einhalten von Regeln hinwirken: Ein Fußgänger, der trotz „Rot“ die Straße  überqueren will, sieht sich nach herannahenden Autos um. Wenn die anderen Fußgänger jedoch an der Ampel stehen bleiben und keine Bereitschaft zeigen, mit ihm einen Rotlichtverstoß zu riskieren, beschließt er eher, ebenfalls zu warten. Für Kinder, die sich am Verhalten von Erwachsenen orientieren, ist vorbildliches Verhalten besonders wichtig.

Vorausschauend handeln

Bereits beim Antritt einer Fahrt lässt sich Fairness fördern. Im Laufe der Fahrpraxis entwickelt man ein Gespür für die eigene Belastbarkeit. Wer im Berufsverkehr und bei Zeitnot zu riskanten Fahrmanövern neigt, kann dies bei der Streckenplanung berücksichtigen und mehr Zeit einkalkulieren. Informieren Sie sich über das Radio und Navigationssystem über die Verkehrssituation. Wer verkehrsbelastete Knotenpunkte und Nadelöhre umgeht, kann Stress vermeiden. Planen Sie daher ausreichend Zeit für die Strecke ein – besonders, wenn Sie pünktlich sein müssen.

In Städten zeigen sich immer mehr Menschen flexibel bei der Wahl der Verkehrsmittel: Wählen Sie bei kurzen Strecken das Fahrrad, um die Parkplatzsuche zu vermeiden, oder steigen Sie in Stoßzeiten auf den öffentlichen Nahverkehr um.

Erfahrungswissen im Straßenverkehr hilft uns, das Verhalten der anderen zu erahnen. Ein Beispiel: Fährt man als Pkw-Fahrer an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs vorbei, ist es vorausschauend, grundsätzlich die Geschwindigkeit anzupassen und bremsbereit zu sein. Unaufmerksame, abgelenkte oder eilende Passagiere könnten die Straße überqueren.

Als Fußgänger kennen wir unsere Rechte. Wir haben jedoch auch erfahren, dass wir sie nicht immer bekommen. Stellen Sie deshalb Blickkontakt zum rollenden Verkehr  her, auch wenn Sie an einem Fußgängerüberweg oder an  einer grünen Ampel kreuzen wollen. So können Sie sich vergewissern, dass Sie wahrgenommen wurden. Recht schützt vor Verletzung nicht.

Noch ein Beispiel: Sie fahren auf einer mehrspurigen Straße auf eine große Kreuzung zu. Seien Sie darauf vorbereitet, dass ein „Spätentschlossener“ auf Ihre Spur wechselt. Ungeübte und Ortsfremde haben an innerstädtischen Kreuzungen nicht immer den vollen Überblick.

Fehler verzeihen

Nicht jedes scheinbar rücksichtslose Verhalten geschieht mit Absicht. Fehler macht jeder. Besonders für Fahranfänger sind die ersten Stunden im „richtigen“ Straßenverkehr sehr aufregend und intensiv. Ihre Anspannung kann dazu führen, dass sie an einer grünen Ampel stehen bleiben oder langsamer fahren als der umgebende Verkehr.

Fahrer, die unerfahren im Stadtverkehr sind, fühlen sich durch das hohe Verkehrsaufkommen überfordert und können unabsichtlich einen anderen Verkehrsteilnehmer schneiden. Auch der Verzicht auf das Blinken muss nicht einen Blinkmuffel entlarven, sondern kann auf fehlende Ortskenntnis zurückgehen. Anderen ihr vermeintlich absichtliches Fehlverhalten nach der Devise „Wie du mir, so ich dir“ heimzuzahlen, ist dabei die schlechteste Reaktion.

Nachsicht und Geduld können uns helfen, souveräner mit Fehlern anderer umzugehen. Besonders wichtig ist es deshalb, die Perspektive anderer Verkehrsteilnehmer einzunehmen. Das schützt vor unangenehmen Überraschungen und lässt uns auch in schwierigen Situationen cool bleiben. Nehmen Sie die Fahrfehler anderer nicht persönlich! Wer sich nicht angegriffen fühlt und die Ruhe behält, reagiert sicherer und umsichtiger. Andere Fahrer werden dankbar sein und sich die gelassene Reaktion zum Vorbild nehmen.

Gelassen bleiben

Haben Sie schon einmal das Experiment gemacht, einen Tag bewusst lächelnd durchs Leben zu gehen? Mit Ausnahme einiger besonders griesgrämiger Zeitgenossen kann man mit einem Lächeln viele Menschen entwaffnen. Plötzlich wünscht einem der sonst mürrische Kassierer an der Supermarkt-Kasse einen schönen Tag. Auch die eigene Laune wird deutlich besser. Ähnliches gilt für den Umgang miteinander im Straßenverkehr.

Beim Fahren übertragen viele ihre Stimmung auf Verkehrssituationen. In Verbindung mit Vorurteilen und negativen Emotionen wie Angst, Ärger und Wut kommt es deshalb häufig zu Überreaktionen. Stress, etwa bei Geschäftsterminen, und Zeitnot können dazu führen, dass Verkehrsteilnehmer sich über Gebühr aufregen, wenn sie das Gefühl haben, nicht voranzukommen.

Dabei ändert die Aufregung an der Situation auf der Straße nichts. Die Wahrscheinlichkeit, dann Fehler zu machen, ist hingegen hoch. Man kann Abstand zur Situation gewinnen, indem man sich in die Perspektive der anderen versetzt. Lassen Sie sich nicht von Ihren Gefühlen und der schlechten Laune anderer mitziehen, sondern atmen Sie tief durch. Es kann zudem helfen, Ereignisse eines Tages klar zu trennen. Ein Missgeschick auf der Arbeit ist kein Zeichen für den Restverlauf des Tages.

Sollten Sie es dennoch einmal mit einem Drängler zu tun haben, bleiben Sie ruhig und lassen Sie ihn vorbeiziehen, sobald die Möglichkeit dazu besteht. So kommen Sie sicher und entspannter ans Ziel.

Auf der Internetseite www.fahrenwieeinprofi.de informiert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat über verschiedene Fahrtrainings, die ein sicheres, gelassenes, umweltschonendes und ökonomisches Fahren vermitteln. Die Angebote richten sich an Privatpersonen oder an Unternehmen mit Fahrzeugflotten.

Erfahrungsberichte von Verkehrsteilnehmern

Erfahrungsbericht: Radfahrerin

„Gute Laune fördert die Fairness!“

„Ich bin eigentlich jeden Tag mit dem Fahrrad unterwegs und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, im Sommer wie im Winter. Da ich auch Auto fahre, kenne ich durchaus auch die ,andere‘ Sichtweise. Für mich als Radfahrende ist es sehr wichtig, ein Gespür dafür zu haben, aus welchem Blickwinkel Autofahrer die Straße sehen, und zum Beispiel den Effekt des ,toten Winkels‘ aus eigener Erfahrung zu kennen. Ich fahre durch diesen Perspektivwechsel langsamer und vorsichtiger mit meinem Rad, um andere nicht zu erschrecken und Autofahrer nicht durch unbedachtes Verhalten in Bedrängnis zu bringen.

Um es den Autofahrern leichter zu machen, kann man auf die eigene Sichtbarkeit achten und hellere Kleidung tragen. Wichtig ist es aber auch, dass Autofahrer aufmerksam sind. Beispielsweise habe ich eine brenzlige Situation erlebt, als ein Autofahrer unbedacht seine Autotür öffnete und ich deshalb vom Fahrrad auf die Straße gestürzt bin. Dank meines Helmes ist die Situation glücklicherweise glimpflich ausgegangen. Doch ich bin seither sehr vorsichtig und halte Abstand, wenn ich an parkenden Autos vorbeifahre.

Um ein faires Klima auf der Straße zu schaffen, ist es wichtig, dass sich alle Verkehrsteilnehmer als ebenbürtig sehen. Manche Autofahrer erkennen Radfahrer immer noch nicht als gleichberechtigt an. In den meisten Fällen achten Autofahrer bereits sehr gut auf Radfahrer. Vor allem Autofahrer in der Stadt sind darauf sensibilisiert, auf Radfahrer achtzugeben. Dann entsteht eine sehr schöne Situation, in der alle Rücksicht aufeinander nehmen. Ich glaube, gute Laune beim Fahren hilft, um die Stimmung auf der Straße zu verbessern. Wenn Leute gestresst sind und von vorneherein nur darauf warten, dass die anderen Fehler machen, dann trägt das zu einer aggressiven Stimmung bei. Wenn man hingegen entspannt ist, dann ist das gut für alle.“

Erfahrungsbericht: Kurierfahrer

„Die meisten reagieren verständnisvoll auf den Lieferwagen.“

„In der Regel sind die Straßen für den Lieferwagen breit genug. In den Wohngebieten wird es hingegen oft eng. Hier muss ich besonders aufpassen, denn man hat wenig Platz zum Rangieren und tagsüber sind viele Fußgänger und Mütter mit Kinderwagen unterwegs. In der Regel kann man sich per Blickkontakt gut verständigen. Wenn man andere Verkehrsteilnehmer und Fußgänger im Blick hat und selbst von ihnen gesehen wird, dann kann man sich gut abstimmen.

Ob die Leute Verständnis haben, hängt auch davon ab, zu welcher Tageszeit man mit dem Lieferwagen unterwegs ist. Natürlich gibt es einige Drängler, die aggressiv fahren, aber die sind in der Minderheit. Die wenigsten Menschen reagieren negativ auf den Lieferwagen, da sie wissen, dass ich für sie die Pakete ausliefere. In den vier Jahren meiner Arbeit als Lieferant habe ich eigentlich jeden Tag positive Erlebnisse.

Fairness bedeutet vor allem Geduld. Man darf sich nicht zu sehr von Leuten unter Druck setzen lassen, die es eilig haben. Wenn ich einen stressigen Tag habe, muss ich mich selbst dazu ermahnen, Geduld mit den anderen Verkehrsteilnehmern zu haben. Als Kurierfahrer steht man immer mal wieder unter Zeitdruck. Insgesamt scheint mir das Verkehrsklima rücksichtsvoll, es gibt nur wenige Ausnahmen. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass alle noch mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Auch mehr Geduld ist wünschenswert. Im Zweifelsfall kann man jemandem lieber den Vortritt lassen, ohne sich aufzuregen.“

Erfahrungsbericht: Mutter und Tochter

„Es ist wichtig, als Fußgänger selbst aufzupassen!“

Mutter: „Ich bin viel unterwegs, mit dem Auto, dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Verkehr wird immer dichter und damit wächst der Stress. Ich würde sagen, die Leute sind zu rücksichtslos, und viele denken, sie wären alleine unterwegs.

Über den Schulweg meiner Tochter mache ich mir jedoch keine Sorgen. Die Kinder kennen sich aus. Den Schulweg haben wir mit unserer Tochter unzählige Male geübt, als sie eingeschult wurde. An den Kreuzungen rund um die Schule unterstützen außerdem Schülerlotsen die Kinder dabei, sicher die Straße zu überqueren und sich mit den anderen Verkehrsteilnehmern zu verständigen. Eltern hoffen natürlich immer, dass nichts passiert und dass die Kinder aufpassen. Es gibt so viele Lieferwagen in der Stadt. Ich finde sehr wichtig, dass man selbst aufpasst und sich nicht darauf verlässt, dass die Autofahrer ihren Seitenblick machen. Es passiert immer wieder, dass Fußgänger übersehen werden. Selbst wenn ,grün‘ ist, muss man tierisch aufpassen.“

Tochter/Schülerin: „Manche Lkw fahren wirklich schnell am Gehweg entlang. Da erschreckt man sich. Auch einige Autofahrer fahren ziemlich schnell. Jeder will fix irgendwohin. Es wäre schön, wenn stattdessen alle ein wenig ,herunterkommen‘ würden.“

Erfahrungsbericht: Passant/Passantin

„Man muss wissen, was einen erwarten kann.“

Passant: „Im Vergleich zum Verkehr in der Kleinstadt ist in der Großstadt enorm viel los auf den Straßen. Auch wenn man aufmerksamer sein muss, kommt man letzten Endes trotzdem immer gut über die Straße. Wenn eine Kreuzung nicht durch eine Ampel geregelt ist und deshalb eine unübersichtliche Situation entsteht, kann man beobachten, dass sich die Leute bei Unklarheiten verständigen. Meistens klappt das ganz gut.

Im Allgemeinen habe ich schon öfter brenzlige Situationen erlebt, in denen sich einem die Haare aufstellen, da ich sehr häufig mit dem Pkw fahre. Eine konkrete Situation fällt mir jedoch so spontan nicht ein.“

Passantin: „Drängler schaffen oftmals kritische Situationen. In der Stadt telefonieren viele mit Handy am Steuer, was verboten ist.“

Passant: „Um rücksichtsvoll fahren zu können, steht für mich an erster Stelle das Mitdenken. Man muss im Straßenverkehr vorausschauend fahren. Man muss wissen, was einen erwarten kann, und darauf eingestellt sein.“

Passantin: „Ich würde noch hinzufügen: Freundlichkeit! Manche drängeln zu sehr, würde ich als Frau sagen!“

Lkw- und Transporterfahrer

Lieferverkehre (Ladezone)

Damit Sie Ihre Arbeit verrichten können, stehen Lkw und Transportern ausgewiesene Bereiche, sogenannte Ladezonen, zur Verfügung. Diese sind meist durch die Aufschrift „Ladezone bitte freihalten“ unter einem eingeschränkten oder absoluten Haltverbot gekennzeichnet. Fahrer von Lkw und Transportern können diese zum Be- oder Entladen in Anspruch nehmen. Pkw-Fahrer sollen diese Fläche unbedingt für den Lieferverkehr freihalten! Werden die Flächen durch Pkw besetzt, ist das ärgerlich, berechtigt aber nicht zum Be- und Entladen auf nicht vorgesehenen Flächen, was vielleicht noch Geh- und Radwege blockiert. Halten Sie nach Möglichkeit

Geh- und Radwege frei. Sichern Sie die Türen so, dass sie nicht während des Ladevorgangs zurückschwenken oder  zuschlagen. Ungesicherte Türen könnten Rad- und Motorradfahrer oder Passanten verletzen. Gleiches gilt auch für den Betrieb von Hebebühnen, die in Betrieb in diesen Zonen eine besondere Gefahrenstelle darstellen und immer speziell abzusichern sind.

Lieferverkehr in Fußgängerzone

Ladengeschäfte und Restaurants in Fußgängerzonen sind auf Lieferungen angewiesen. Das Schild „Lieferverkehr frei“ gestattet den gewerblichen Transport von Waren zu oder von den im gesperrten Bereich liegenden Geschäften. In der Regel ist der Lieferverkehr zeitlich beschränkt und darf beispielsweise von 6.00 bis 10.30 Uhr erfolgen. Kraftfahrzeuge dürfen Fußgängerzonen nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren und Sie müssen jederzeit bremsbereit sein. Beim Abstellen der Fahrzeuge sollte der Fußgängerverkehr möglichst nicht beeinträchtigt werden.

Umweltfreundliches Verhalten

Die Anwohner von Ladezonen sollen durch den Lieferverkehr, durch Lärm und Schadstoffemissionen möglichst wenig gestört werden. Achten Sie deshalb auf umweltfreundliches Verhalten und stellen Sie während des Be- und Entladens den Motor ab. Das trägt zur Gesundheit der Anlieger und auch Ihrer Gesundheit sowie der Ihrer Mitarbeiter bei. Sanftes Anfahren reduziert zudem die Lärmbelastung.


Abbiegesituation (Ausscheren)

Länge und Größe von Lkw erfordern vom Fahrer besonderes Geschick, wenn das Fahrzeug um enge Kurven im Stadtverkehr gesteuert wird. Damit sich auch die anderen Verkehrsteilnehmer rechtzeitig auf die Situation einstellen können, ist frühzeitiges Blinken hilfreich. Vor Fahrtantritt ist zu kontrollieren, ob die Blinkanlagen voll funktionsfähig sind. Die Hinterachse eines Lkw beschreibt beim Abbiegen eine engere Kurve als die Vorderachse. Dies kann gerade für Fußgänger und Radfahrer, die damit nicht rechnen, gefährlich werden. Besonders bei Abbiegevorgängen müssen Sie daher vorausschauend und aufmerksam sein, um jederzeit reagieren zu können, wenn sich jemand in diesem Bereich befindet.

Toter Winkel

Trotz moderner Spiegelsysteme am Fahrzeug sind die Sichtverhältnisse in Lkw gerade beim Rechtsabbiegen schwierig. Jeder Lkw oder Transporter hat vier „tote Winkel“ (Bereiche, die vom Fahrer nicht einsehbar sind): ein bestimmter Bereich direkt vor dem Fahrzeug, bedingt durch die erhöhte Sitzposition, hinter dem Fahrzeug sowie links und rechts in den Bereichen, die nicht durch Schulterblick oder Außenspiegel bzw. Zusatzspiegel eingesehen werden können.

Es ist immens wichtig, alle Spiegel optimal auf Ihre Sitzposition einzustellen. Beim Warten an einer roten Ampel z. B. sollte der rechte Außenspiegel ständig beobachtet werden, um einen sich nähernden Radfahrer wahrzunehmen, bevor dieser im toten Winkel verschwindet.

Die besondere Gefahr für Zweiradfahrer, aber auch Fußgänger, besteht darin, dass sie von der Seitenpartie des rechts abbiegenden Fahrzeugs erfasst werden könnten. Auch droht Gefahr von den Hinterrädern des Lkw, denn die Hinterachse beschreibt eine engere Kurvenspur als die gelenkte Vorderachse. Wenn Sie als Lkw-Fahrer auf Kreuzungen zufahren und abbiegen wollen, achten Sie schon im Vorfeld auf Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer, die möglicherweise in den „toten Winkel“ geraten könnten. Achten Sie auch darauf, Ihr Sichtfeld nicht durch Gegenstände in der Fahrzeugkabine einzuschränken.

Unfälle, die durch eine „toter Winkel“-Situation entstehen, können tödlich enden und sind zudem für den Lkw-Fahrer eine psychische Belastung, die zu Arbeitsunfähigkeit führen kann.

Rückwärts fahren

Eine Herausforderung stellt der „tote Winkel“ beim Rangieren und Zurücksetzen in der Ladezone dar. Nutzen Sie alle Spiegel, gegebenenfalls die Rückfahrkamera, um das Umfeld zu beobachten. Beim Rückwärtsfahren muss grundsätzlich sichergestellt sein, dass andere nicht gefährdet werden. Sonst muss ein Einweiser helfen.


Parken und abstellen

Nur die Ladezonen sind für Lieferverkehr frei. In zweiter Reihe zu parken, um Transporter oder Lkw zu be- oder entladen, ist verboten. Der Durchgangsverkehr würde so erheblich behindert, Fahrzeuge müssten auf andere Spuren ausweichen. Der abgestellte Lkw behindert außerdem die Sicht: Nachfolgende Fahrzeuge könnten etwa Probleme bekommen, die entgegengesetzte Spur einzusehen.

Auch das Abstellen von Kraftfahrzeugen auf Geh- oder Radwegen ist alles andere als fair. Diese garantieren „schwächeren“ Verkehrsteilnehmern notwendigen Raum, um sicher voranzukommen. Andernfalls werden die parkenden Hindernisse zum Sicherheitsrisiko. Radfahrer oder Fußgänger wären gezwungen, auf die viel befahrene Straße auszuweichen.

Das regelmäßige Parken von Lkw über 7,5 Tonnen ist unter anderem in reinen Wohngebieten von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen verboten.

Aus-/Einsteigen bei geparkten Fahrzeugen

Fahrer von Lkw und Transportern stehen häufig unter Zeitdruck und Stress. Zum einen, weil der Lieferverkehr in engen Zeitfenstern stattfindet, zum anderen, weil andere Autofahrer besonders während der Hauptverkehrszeit gereizt und ungeduldig auf vermeintliche Hindernisse wie Lieferverkehr reagieren. Hastiges Ein- und Aussteigen bei Auslieferungen kann die Folge sein. Doch müssen Fahrer großer Kraftfahrzeuge ebenso wie Führer von Pkw beim Ein- und Aussteigen auf andere Verkehrsteilnehmer achten, um sie nicht durch die sich öffnenden Türen zu gefährden.

Planen Sie deshalb ausreichend Zeit für Liefervorgänge ein und vergessen Sie beim Aussteigen nicht den Schulterblick. Vor dem Öffnen der Tür hilft jeweils ein Blick nach vorn und hinten, um Fußgänger, Radfahrer oder andere Autos, die passieren wollen, wahrzunehmen.

Beim Einsteigen bzw. vor der Abfahrt versichern Sie sich, dass sich keine Verkehrsteilnehmer vor oder hinter dem Lkw oder Transporter befinden.

Öffnen der Türen (Laderaum)

Die Türen und Klappen von Transportern oder Lkw dürfen nur langsam und umsichtig geöffnet werden.  Zusätzliches Gewicht, etwa Werkzeuge oder Arbeitsgerät an den Türen, kann zu unkontrolliertem Aufschwingen führen. Während des Lade- und Auslieferungsvorgangs müssen geöffnete Laderaumtüren in ihren Endstellungen gegen Umschwenken oder Zuschlagen gesichert werden, um niemanden zu verletzen.

Sichtbarkeit

Lieferverkehr findet zu jedem Wetter und zu jeder Tageszeit statt. Nutzen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit, besonders am frühen Morgen oder in der Dämmerung, entsprechende Schutzkleidung, die mit retroreflektierenden Elementen versehen ist. Damit sind Sie auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen gut sichtbar. Reflektoren an den Türinnenseiten können ihre Signalwirkung nur entfalten, wenn sie unbeschädigt und frei von Verschmutzungen sind.


Routenplaner Lkw

Spurwechsel, die nicht rechtzeitig angekündigt werden und den nachfolgenden Verkehr damit überraschen, können schwere Unfälle nach sich ziehen. Besonders bei Lkw sind Spurwechsel rechtzeitig zu planen und durch Setzen des Blinkers entsprechend frühzeitig anzukündigen. Umsichtige Fahrer vermeiden kurzfristige Manöver aus Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr. Solche könnten eine Gefahrensituation hervorrufen und einen Unfall provozieren. Überlegen Sie genau, ob ein Überholvorgang wirklich notwendig ist. Auch durch detaillierte Vorbereitung und gute Routenplanung lassen sich häufige kurzfristige Fahrmanöver vermeiden. Und Sie kommen gelassener und sicher ans Ziel.

Enge Seitenstraßen sind für Lkw und Transporter ungeeignet und nur in Ausnahmefällen zu benutzen.

Baustellen

Stellen Sie sich rechtzeitig vor Beginn der Baustelle auf die Baustelle ein, vergrößern Sie den Abstand zum Vordermann und passen Sie die Geschwindigkeit der Verkehrssituation an. Im Bereich von Baustellen kann es zu Spurverengungen kommen. Als Fahrer von Lkw oder Transportern empfiehlt sich, aufgrund der Fahrzeugbreite stets die breitere Spur zu wählen. In der Regel ist das der rechte Fahrstreifen. Halten Sie auch innerhalb der Baustelle einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein. Darüber hinaus fühlen sich die Fahrer kleinerer Fahrzeuge durch den ausreichenden Abstand des Lkw sicherer.


Pkw- und Motorradfahrer

Verständigung

Die Verständigungsmöglichkeiten aus dem abgeschlossenen Raum der Fahrzeugkabinen sind eingeschränkt. Daher ist Kommunikation auf sichtbare Zeichen angewiesen, wie z. B. Blinker, Bremsleuchten und Handzeichen. Verständigung ist aber auch durch Fahrverhalten möglich. Wenn Sie einen Passanten am Straßenrand sehen, der darauf wartet, die Straße sicher zu überqueren, signalisieren Sie ihm durch Abbremsen, dass Sie ihn gesehen haben und warten werden. Wichtig ist auch, Blickkontakt aufzunehmen.

Eindeutige Signale beugen Missverständnissen vor. Pkw und Motorräder haben etwa vor dem Abbiegen oder dem Spurwechsel einen Blinker zu setzen. Gleiches gilt beim Verlassen der Parklücke oder beim Anfahren vom Fahrbahnrand. Routine und tagtägliches Fahren können allerdings zu Nachlässigkeit führen: Einzelne Verkehrsteilnehmer wechseln unbedacht die Fahrspur, ohne vorher zu blinken. Auch kommt es vor, dass Autofahrer kurzfristig beschließen, ihre Route zu ändern. Umsichtige Fahrer sehen aus Sicherheitsgründen jedoch von solch plötzlichen Entscheidungen ab. Es ist rücksichtsvoller und sicherer, nicht im letzten Moment auf die Abbiegespur zu wechseln. Nehmen Sie lieber die nächstmögliche Abzweigung – so haben sie ausreichend Zeit, Ihre Absicht mit dem Blinker anzukündigen.

Geschwindigkeit und Abstand

Viele Verkehrsteilnehmer stehen unter Druck: Die Bewältigung des Arbeitsalltags erfordert ständige Mobilität. Ihrem angestauten Ärger und Stress oder ihrer Ungeduld lassen daher viele am Steuer ihres Autos oder am Lenker ihres Motorrades freien Lauf. Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit  und zu dichtes Auffahren waren 2012 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Ursachen für knapp 40 Prozent aller Personenunfälle innerorts.

Dabei ist es nur ein subjektives Gefühl, durch Drängeln schneller ans Ziel zu gelangen. Das dichte Auffahren spart kaum Zeit: Es setzt die Vorausfahrenden unter Druck. Diese werden dadurch nicht schneller, nur unsicher und hektisch. Ein ausreichender Sicherheitsabstand wird dagegen als Zeichen von Rücksicht verstanden. Als empfehlenswert gilt ein Abstand, der der Strecke entspricht, die in 1 Sekunde zurückgelegt wird. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h sind dies 15 Meter oder etwa drei Pkw-Längen. Denn wenn Ihr Vordermann plötzlich bremst, reicht damit auch Ihr Bremsweg noch aus, um einen Aufprall zu verhindern. Der Vorausfahrende wird es Ihnen danken, wenn er nicht durch die im Rückspiegel knapp hinter ihm aufleuchtenden Scheinwerfer unter Druck gesetzt wird. Passen Sie Ihre Geschwindigkeit auch deshalb dem Verkehrsfluss an, um rechtzeitig auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.

Parkplatzsuche

Im Alltag wechseln wir täglich mehrfach den Standort: Ob für geschäftliche Fahrten oder private Besorgungen. Doch wohin mit dem Auto oder Motorrad? Parkraum ist gerade in vielen Innenstädten knapp. Die Parkplatzsuche kann zu Stoßzeiten durchaus Nerven kosten.

Im eng bemessenen Verkehrsraum halten deshalb einige dort, wo es scheinbar Platz gibt – auch wenn dieser nicht zum Parken freigegeben ist. Fahrradwege und Ladezonen garantieren jedoch anderen Verkehrsteilnehmern den nötigen Raum. Auch Motorräder darf man nicht in diesen Bereichen abstellen.

Damit der Verkehr weiterfließen kann, müssen diese Flächen freigehalten werden. Denn wenn dies nicht der Fall ist, werden die parkenden Hindernisse zum Sicherheitsrisiko. Radfahrer sind gezwungen, auf die viel befahrene Straße auszuweichen, Lieferverkehr hält in der „zweiten Reihe“, der Raum für den rollenden Verkehr wird insgesamt knapper und das Verkehrsgeschehen gefährlicher.

Und für Rettungskräfte und Feuerwehrleute bedeutet das „wilde“ Parken unter Umständen einen Zeitverlust, der für die Wartenden lebensbedrohlich werden kann.

Radfahrstreifen und Schutzstreifen

Rücksicht und Vorsicht sind bei Radfahrstreifen und Schutzstreifen gefordert. Sie verlaufen auf der Straße und sind durch entsprechende Markierungen abgegrenzt. Der Radfahrstreifen ist durch eine dicke, durchgezogene Linie auf der Straße gekennzeichnet, zusätzlich ist das Fahrradsymbol als Bodenmarkierung angebracht. Dieser Bereich ist allein Radfahrern vorbehalten und darf von Kraftfahrzeugen nicht befahren werden. Umsichtige Autofahrer halten beim Passieren von Radfahrstreifen einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein. Der Schutzstreifen, auf der Fahrbahn durch eine unterbrochene Linie markiert, darf hingegen von Kraftfahrzeugen mitgenutzt werden, sofern kein Radfahrer dabei gefährdet wird. Das Parken auf dem Schutzstreifen ist verboten, das Halten ist erlaubt – rücksichtsvoller ist jedoch, auch darauf zu verzichten.

Verdeckte Radwege

Manchmal sind Radwege von der Straße aus nicht vollständig einsehbar, weil sie durch eine Reihe parkender Autos verdeckt werden. Rechnen Sie vor dem Abbiegen auch dann mit Radfahrern, wenn Sie im Vorbeifahren noch keine neben sich erkennen konnten.

Achtung, Radfahrer in Einbahnstraße!

Auch in bestimmten Einbahnstraßen müssen Pkw- und Motorradfahrer mit entgegenkommenden Radfahrern rechnen. Denn die Zahl an Einbahnstraßen, in denen Radfahrer gegen die Richtung fahren dürfen, wächst. Erkennen können Sie dies an einem Zusatzschild, das unter dem Schild „Einbahnstraße“ angebracht ist: Es zeigt ein schwarzes Fahrrad auf weißem Untergrund sowie Pfeile nach oben und unten.


Verhalten an Haltestellen

Haltestellen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Wenn Busse und Bahnen heranfahren, bricht zur Hauptverkehrszeit Hektik unter den Fahrgästen aus. Personen, die ihre Bahn noch erwischen wollen, sind gedanklich schon beim Einsteigen und lassen den übrigen Verkehr außer Acht. Im Berufsverkehr wird es für wartende und aussteigende Fahrgäste außerdem oft eng im Haltestellenbereich, der häufig direkt an die Straße angrenzt.

Reduzieren Sie deshalb Ihre Geschwindigkeit und seien Sie jederzeit bremsbereit beim Passieren von  Haltestellen. Besonders dann, wenn gerade eine Bahn oder ein Bus einfährt, kann die Situation unübersichtlich werden. Fährt der Bus mit Warnblinkanlage auf die Haltestelle zu, darf man ihn nicht überholen. Steht der Bus warnblinkend, darf nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeigefahren werden. Dies gilt auch für den Gegenverkehr. Überholverbot besteht außerdem, wenn der Busfahrer an der Haltestelle den Blinker links setzt und die Weiterfahrt ankündigt.

Orientierung, Ortsfremde

Der Stadtverkehr ist unübersichtlich und hektisch. Wer fremd in einer Stadt ist oder das Fahren im dichten Verkehr nicht gewohnt ist, kann schnell den Überblick verlieren. Auch Fahranfänger werden durch den oft als aggressiv empfundenen Fahrstil und das ungeduldige Spurwechseln mancher Fahrer häufig überfordert.

Wenn Sie fremde Kennzeichen an Motorrädern oder Autos sehen, seien Sie besonders an großen Kreuzungen oder Abzweigungen darauf vorbereitet, dass die Person vor Ihnen ihre Absicht kurzfristig ändern kann. Neben mangelnden Ortskenntnissen gibt es noch viele andere Gründe, die das Orientieren erschweren. Beispielsweise können Werbetafeln oder Plakate am Straßenrand einen Autofahrer so stark ablenken, dass er an einer grünen Ampel zu spät losfährt. Wer den Fahrfehlern anderer in diesen  Situationen tolerant begegnet, schafft ein entspannteres Klima für alle. Auch hier gilt: Drängeln hilft niemandem!

Sichtbarkeit

Motorradfahrer sind darauf angewiesen, von anderen gesehen zu werden. Bei Dunkelheit hilft dabei nicht nur die Beleuchtung des Motorrads. Von allen Seiten sichtbare retroreflektierende Materialien an der Motorradschutzkleidung oder Warnwesten erhöhen die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit.


Motorrad: bremsbereit

Obwohl das Unfallrisiko vier Mal höher liegt als bei Pkw, sind Motorräder in Deutschland sehr beliebt. Noch viel mehr als das Auto steht das Motorrad für Freiheit, Selbstausdruck und Abenteuer. Doch gerade wegen ihrer erhöhten Verletzungsgefahr müssen Motorradfahrer besonders aufmerksam sein. Sie sollten immer davon ausgehen, dass sie übersehen werden könnten. Deshalb müssen sie umso mehr Verantwortung übernehmen. Achten Sie als Motorradfahrer darauf, aufgrund der schmalen Silhouette nicht im toten Winkel von Fahrzeugen zu verschwinden. Halten Sie an einer Ampel deshalb deutlich vor oder unübersehbar hinter größeren Pkw und Lkw. Wenn Sie im Seitenspiegel das Gesicht des Lkw-Fahrers erkennen können, kann auch dieser Sie sehen! Ein defensiver Fahrstil senkt das Unfallrisiko für Motorradfahrer. Bremsbereitschaft und Sicherheitsabstand gehören dazu. Denn wenn Abbieger nicht blinken, kann es gefährlich werden. Seien Sie vor allem auch dann bremsbereit, wenn Sie eigentlich Vorfahrt in einer schwierigen oder unübersichtlichen Situation hätten.

Baustellen

Unsere Infrastruktur muss ständig instand gesetzt werden. Baustellen schränken den Verkehrsfluss oft erheblich ein, etwa wenn eine von mehreren Fahrspuren gesperrt ist. Endet eine Fahrspur, so gilt das Reißverschluss-System: Die Fahrzeuge ordnen sich abwechselnd hintereinander auf der weiterführenden Spur ein. Das Einfädeln beginnt unmittelbar vor Beginn der Verengung. Dadurch lässt sich der Verkehrsraum vor der Engstelle besser ausnutzen.


Fußgänger und Fahrradfahrer

Sichtbarkeit

Fußgänger und Radfahrer tragen ein erhöhtes Verletzungsrisiko im Straßenverkehr. Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern werden laut Unfallstatistik überwiegend von motorisierten Verkehrsteilnehmern verursacht, zumeist von Pkw-Fahrern. Ein Aufprall ohne schützende Karosserie kann fatale Folgen haben. Daher gilt es, auf die eigene Sichtbarkeit zu achten.

Am Tage wie bei Nacht bedeutet dies: Beim Überqueren von Straßen und Radwegen ist Vorsicht angesagt. Wer darauf achtet, gut sichtbar zu sein und nicht von Hindernissen wie Gebüsch, parkenden Autos oder Ähnlichem verdeckt zu werden, gelangt sicherer auf die andere Straßenseite. Auf die eigene Sichtbarkeit zu achten, ist außerdem rücksichtsvoll gegenüber motorisierten Verkehrsteilnehmern, für die plötzlich auftauchende „Schatten“ gefährliche Schrecksekunden bedeuten können.

Während der Wintermonate November bis Februar ereignen sich im Schnitt 10,6 Prozent mehr Unfälle mit Fußgängerbeteiligung als im Jahresmittel. Kleidung mit retroreflektierenden Bestandteilen, die vorne, hinten sowie seitlich angebracht sind, trägt wesentlich zur eigenen Sicherheit bei – das gilt für Fußgänger wie für Radfahrer. Reflektierende Elemente an den Ärmeln erhöhen ferner die Sichtbarkeit von Handzeichen, die Radfahrer vor dem Abbiegen geben.

Vorschriftsmäßige Beleuchtung am Fahrrad besteht aus einer weißen Frontleuchte und einem roten Rücklicht, die über einen Dynamo betrieben werden. Noch bessere Sichtbarkeit etwa beim Anhalten an Ampeln schafft Beleuchtung mit Standlichtfunktion. Alternativ zur Dynamo-Lichtanlage ist der Einsatz von batterie- oder akkubetriebenen Front- und Rückleuchten auch allein erlaubt. Zur Ausstattung gehören in jedem Fall auch ein weißer Front- und ein roter Heckreflektor. Zusätzlich sind Pedale und Speichen mit Reflektoren auszustatten, die – wie alle Teile – ein amtliches Prüfzeichen tragen müssen. Für die bessere Sichtbarkeit von Fahrrädern im seitlichen Bereich sind reflektierende Streifen auf den Rädern oder Speichenclips optimal. Wer in der Dunkelheit ohne Beleuchtung und Reflektoren am Fahrrad fährt, trägt im Falle eines Unfalls eine Mitschuld. Auch im Sinne der Fairness bewegen wir uns lieber langsam, aber sicher und schieben unser Fahrrad, wenn unsere Beleuchtung plötzlich einmal ausfallen sollte. Batteriebetriebene und einsatzbereite (Ersatz-)Leuchten mitzuführen, ist in jedem Fall eine gute Idee.

Verständigung

Auf Vorrang zu bestehen, ist leichtsinnig. Bevor wir als Fußgänger eine Straße überqueren, sollten wir sicher sein, dass wir gesehen wurden. Kommunizieren Sie mit den anderen Verkehrsteilnehmern: Über Körpersprache, Verhalten und andere sichtbare Zeichen kann man seine Absicht deutlich machen. Durch Stehenbleiben und ein Handzeichen können Sie ein abbiegendes Fahrzeug durchwinken. Ein nach vorne geneigter Oberkörper dagegen vermittelt, dass Sie gleich die Straße betreten werden.

Nehmen Sie vor dem Losgehen an einem Fußgängerüberweg oder einer Kreuzung Blickkontakt mit dem Fahrer eines herannahenden Fahrzeugs auf. Nur so können Sie feststellen, ob dieser Sie wahrnimmt. Wenn er seine Geschwindigkeit reduziert oder Ihnen ein Handzeichen gibt, wissen Sie, dass er Sie gesehen hat und Ihnen den Vortritt lässt. Bevor Sie als Radfahrer abbiegen, kündigen Sie dies durch ein deutlich erkennbares Handzeichen an. So wird Ihr Verhalten für andere Verkehrsteilnehmer berechenbar. Wer ohne vorheriges Signal abbiegt, bringt sich selbst und andere nicht nur in große Gefahr, sondern haftet auch für mögliche Unfallfolgen. Während des Abbiegens gehören beide Hände an den Lenker, damit Sie sicher steuern und im Ernstfall rechtzeitig bremsen können. Nur in Einzelfällen dürfen Radfahrer auf das Handzeichen verzichten, etwa wenn bei Glätte beide Hände an Lenker und Bremse erforderlich sind. Vorausschauendes partnerschaftliches Fahren bedeutet, dass die anderen Verkehrsteilnehmer diese Einschränkung bei widrigen Wetterbedingungen berücksichtigen.

Verhalten an Ampeln und Fußgängerüberwegen

Wenn ein Fußgänger einen „Zebrastreifen“ überqueren will, müssen das die anderen Fahrzeuge gefahrlos ermöglichen. Das gilt auch für Radfahrer: Sie sind ebenfalls verpflichtet, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren oder anzuhalten. Wollen Radfahrer einen „Zebrastreifen“ nutzen, um die Straße zu überqueren, steigen sie aus Rücksicht auf Fußgänger ab und schieben. Das ist auch für Radfahrer selbst sicherer, denn auf „Zebrastreifen“ haben nur Fußgänger den Vorrang vor den Fahrzeugen, die vor dem Überweg warten. Im Schadensfall hieße das sonst für den Radfahrer: Pech gehabt!

Radfahrer und Fußgänger können ihr Unfallrisiko senken, wenn sie vor dem Queren der Straße sichergehen, dass sie von Abbiegern gesehen wurden. Vergewissern Sie sich, dass keine Hindernisse die Sicht auf Sie verdecken. Im Zweifel ist es sicherer, stehen zu bleiben: Der Klügere gibt nach.

Als Fußgänger unvermittelt auf die Straße zu treten, kann andere überraschen und deshalb gefährlich sein. Erst wenn geklärt ist, dass der Weg frei ist, kann die Straße zügig und auf dem kürzesten Weg überquert werden. Sie haben eine Vorbildfunktion gegenüber Kindern, aber auch gegenüber anderen Erwachsenen!

Verhalten an Haltestellen von Bussen und Bahnen

Haltestellen an Straßen erfordern die Umsicht aller Verkehrsteilnehmer. Im Berufsverkehr wird es oft eng im Haltestellenbereich, besonders auf Mittelinseln. Kritisch ist der Moment des Fahrgastwechsels. Für Ein- und Aussteigende zusammen kann die Warteinsel zu klein bemessen sein. Bei Mittelinseln, die grundsätzlich zum rechts vorbeifließenden Verkehr mit einem Geländer gesichert sind, ist insbesondere Vorsicht angesagt, damit niemand auf die Fahrbahn gedrängt wird.

Einfahrende Busse und Bahnen wirken wie Magneten auf künftige Fahrgäste. Dabei verliert so mancher Verkehrsteilnehmer das Geschehen auf der Straße aus den Augen. Doch ein Schritt nach dem anderen: Leichtsinniges Queren der Straße und mangelnde Konzentration auf den übrigen Verkehr können zu Unfällen führen. Es entlastet Nutzer von Bus und Bahn, wenn sie ausreichend Zeit einkalkulieren. Am besten so viel, dass sie selbst dann pünktlich sind, wenn sie eine Fahrt verpassen.

Gegenseitige Rücksicht von Radfahrern und Fahrgästen des ÖPNV ist gefragt, wenn ein Radweg zwischen Straße und dem ÖPNV-Wartebereich liegt. Beim Kreuzen des Radwegs ist den passierenden Radfahrern die Vorfahrt zu lassen. Doch Radfahrer sollten auch damit rechnen, von eiligen Passanten übersehen zu werden. Wenn sich ein Fußgänger auf den Radweg verirrt, ist es als Fahrradfahrer rücksichtsvoller, nicht auf den Gehweg auszuweichen, sondern anzuhalten.

Fährt ein Bus mit Warnblinkanlage auf eine Haltestelle zu, dürfen ihn weder motorisierte Verkehrsteilnehmer noch Radfahrer überholen. Erst wenn der Bus warnblinkend an der Haltestelle anhält, ist das Vorbeifahren maximal in Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Dies gilt auch für den Gegenverkehr. Überholverbot besteht auch, wenn der Busfahrer an der Haltestelle den Blinker links setzt und die Weiterfahrt ankündigt.

Toter Winkel

Trotz moderner Spiegelsysteme an Lkw oder Transporter sind die Sichtverhältnisse für deren Fahrer gerade beim Rechtsabbiegen schwierig. Jeder Lkw oder Transporter hat vier „tote Winkel“ (Bereiche, die vom Fahrer nicht einsehbar sind): ein bestimmter Bereich vor dem Fahrzeug, bedingt durch die erhöhte Sitzposition, hinter dem Fahrzeug sowie links und rechts in den Bereichen, die nicht durch Schulterblick oder Außenspiegel bzw. Zusatzspiegel eingesehen werden können.

Auch beim Pkw können durch den „toten Winkel“ gefährliche Situationen entstehen. Nur wenn der Autofahrer beim Abbiegen den Schulterblick richtig anwendet, kann er Sie als Radfahrer oder Fußgänger sehen.

Kreuzungen können für Radfahrer und Fußgänger deshalb sehr gefährlich sein. Rechnen Sie damit, dass Sie übersehen werden könnten! Der „tote Winkel“ auf der rechten Seite eines Fahrzeugs ist der gefährlichste und umso größer, je länger das Fahrzeug ist. Besonders groß ist er bei Lkw. Die besondere Gefahr für Zweiradfahrer, aber auch Fußgänger, besteht darin, dass sie von der Seitenpartie des rechts abbiegenden Fahrzeugs erfasst werden könnten. Auch droht ihnen Gefahr von den Hinterrädern des Lkw, denn die Hinterachse beschreibt eine engere Kurvenspur als die gelenkte Vorderachse. Wenn Lkw oder Busse an einer Kreuzung oder in eine Seitenstraße rechts abbiegen, Sie jedoch geradeaus die Straße überqueren wollen, ist es sicherer, hinter diesen zu warten und sie passieren zu lassen.

Warten Sie als Radfahrer an der Ampel lieber deutlich vor oder erkennbar hinter statt neben Lkw und größeren Pkw und warten Sie, bis Sie eindeutig erkennen können, wohin das Fahrzeug fährt.

Befahren linker Radwege

Um das gewünschte Ziel vorschriftsmäßig mit dem Fahrrad zu erreichen, ist oft mehrfaches Überqueren einer Straße notwendig. Dies ist umständlich, verlängert den Weg und kostet zusätzliche Zeit. Deshalb fahren Radfahrer oft auch entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf Radwegen. Mit Ausnahme von Radwegen, die für beide Richtungen freigegeben sind, ist dies verboten und wird mit 20 € Bußgeld geahndet. Vor allem aber ist es gefährlich.

Andere Radfahrer, die „rechts“ fahren, werden von Linksfahrern überrascht. Auf schmalen oder viel befahrenen Wegen kann es so zu schweren Zusammenstößen kommen. Auch Pkw-Fahrer rechnen beim Abbiegen nicht mit „Geisterradlern“ aus der „falschen“ Richtung. Fußgänger, die den Radweg queren, orientieren sich ebenso nach der zulässigen Fahrtrichtung.

Sollten Sie dennoch einmal mit dem Gedanken spielen: Halten Sie sich vor Augen, wie gefährlich Ihnen eine absichtliche Geisterfahrt auf der Autobahn vorkommt!

Konfliktsituation Rad-/Gehwege

Wenn im Stadtraum Radwege fehlen, fühlt man sich als Radfahrervielleicht auf dem Gehweg sicherer. Es ist weniger los, der Weg scheint übersichtlicher. Doch dieses angenehme Fahrerlebnis ist allein Kindern bis 10 Jahren vorbehalten. „Schwächere“ Verkehrsteilnehmer, wie ältere Menschen und Kinder, sind nur auf Fußgängerwegen geschützt, wo sie das Vorrecht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern haben. Laut Straßenverkehrs-Ordnung sind reine Gehwege für Radfahrer tabu. Auch die Fairness verlangt, dass Radfahrer nicht den Raum dieser „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer vereinnahmen. Ein Verstoß wird mit 15 € Bußgeld geahndet. Mehr noch: Ein erwachsener Radfahrer auf dem Gehweg kann beispielsweise bei einem Zusammenstoß mit einem Auto, das eine Hofeinfahrt langsam verlässt, haftbar gemacht werden. Benutzen Sie nur Gehwege, wenn dies durch entsprechende Schilder gestattet ist.

Vorsicht, Radfahrer!

Geteilte Geh- und Radwege sind als solche ausgewiesen. Wenn diese durch eine Linie getrennt sind, steht Radfahrern und Fußgängern jeweils eine eigene Spur zur Verfügung. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen müssen Fahrradfahrer Rücksicht gegenüber Fußgängern üben. Auch umgekehrt haben Fußgänger den freien Radverkehr zu ermöglichen. Im Zweifelsfall steigen Radfahrer ab und schieben, um niemanden zu gefährden.


Radfahren in der Fußgängerzone

Sie haben es eilig und müssen eine Fußgängerzone durchqueren? Dann steigen Sie trotzdem ab und schieben. Denn zum einen ist dieser Raum den Fußgängern vorbehalten, zum anderen schonen Sie Ihre Nerven. Fußgänger rechnen nicht mit Fahrzeugen und sich „durchzuklingeln“, ist alles andere als rücksichtsvoll. Wer eine Fußgängerzone mit dem Fahrrad befährt, riskiert 15 € Bußgeld. Ist eine Fußgängerzone für den Radverkehr freigegeben, zeigen Schilder dies an. Auch dann gilt: Fußgänger haben Vorrang und im Sinne der Fairness kommen Sie mit Schieben besser voran.


Radfahren in Einbahnstraßen

Einbahnstraßen dürfen nur dann von Radfahrern entgegen der Fahrtrichtung befahren werden, wenn dies gekennzeichnet ist. Gestattet wird dies durch ein weißes rechteckiges Schild, das ein Fahrrad zeigt und dieses mit „frei“ unterschreibt. Es ist unter dem Schild „Einfahrt verboten“ (roter Kreis mit weißem Querstrich) angebracht. Gegen die eigentliche Fahrtrichtung in Einbahnstraßen zu fahren, bedarf besonderer Vorsicht. Achten Sie auf entgegenkommende Autos und fahren Sie nicht in der Mitte der Straße, sondern am rechten Rand. Bei Gefahr ist es sicherer anzuhalten, anstatt weiterzufahren.

Geparkte Pkw oder Lkw

Radwege grenzen oft an Parkstreifen für den Kraftverkehr. Radfahrer können schneller reagieren, wenn sie jederzeit damit rechnen, dass sich die Tür eines geparkten Fahrzeuges plötzlich öffnet. Es empfiehlt sich, beim Passieren von Parkstreifen besonders aufmerksam zu sein und einen ausreichenden Abstand von mindestens einem Meter zu parkenden Fahrzeugen einzuhalten. Ist die Strecke vom Fahrrad nur bedingt einsehbar, drosseln Sie Ihre Geschwindigkeit.

Baustellen

An Baustellen wird häufig der Verkehr beschränkt. Wenn Fahrradfahrer gezwungen werden, den benutzungspflichtigen Radweg zu verlassen, können sie auf der Fahrbahn weiterfahren. Zur eigenen Sicherheit empfiehlt es sich, dabei das Tempo zu reduzieren und auf den Straßenzustand zu achten. Allerdings ist als Radfahrer beim Einordnen in den Straßenverkehr zu beachten, nicht unmittelbar vor einem Fahrzeug einzuscheren und dieses etwa zu schneiden. Vielmehr ist ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten, damit sich die Autofahrer auf einen weiteren Verkehrsteilnehmer im nun geteilten Raum einstellen können.

Müssen Fahrradfahrer einen Durchgang mit Fußgängern teilen, fordert das Schild „Radfahrer absteigen“ dazu auf, das Zweirad zu schieben. Selbst wenn dieses Schild nicht vorhanden ist, gebietet es die Fairness abzusteigen – so wird der Stress für alle Verkehrsteilnehmer reduziert.

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